Vom Sifu zum Sifu


In Wing Chun sowie in jeder anderen Kampfkunst gibt es unterschiedliche Lehrer. Ein Wushu (chinesische Kampfkünste – Sammelbegriff) Lehrer wird nach chinesischer Tradition ein Sifu (Shifu) genannt. Shifu (chinesisch 師父 / 师父Pinyin Shīfù) wird als respektvolle Anrede für den Lehrer verwendet. In den chinesischen Kampfkünsten oder in sifu wing chunLehrberufen bekundet es den besonderen Respekt vor dem Lehrer als „väterlichem Meister“. (Quelle: Wikipedia, Artikel: Shifu).

Die Lehrer unterscheiden sich nach der Art des Unterrichtens und nach den Zielen, die sie bei den Schülern erreichen wollen, was sich auf die Unterrichsart bzw. Unterrichtsmethoden direkt überträgt.

Welche Ziele können denn die Sifus verfolgen oder welche Gründe bewegen die Sifus? Es gibt unterschiedliche Sifu Typen, die:

  • das Wissen weitergeben wollen (Sifu Typ 1)
  • wirtschaftliche Interesse am Unterrichten haben (Sifu Typ 2)
  • Eigenes Training mit den Schülern betreiben (Sifu Typ 3)
  • das Unterrichten als Hobby betrachten (Sifu Typ 4)
  • hohes Ansehen durch andere genießen (Sifu Typ 5)
  • zum Unterrichten gezwungen sind, da nichts anders können, oder schon zu viel Lebenszeit oder Geld in die Sache investiert haben (Sifu Typ 6)

Es mögen noch andere persönliche Gründe oder Ziele existieren, die Sifus heutzutage verfolgen.

Sifu Typ 1

Um vorweg zu nehmen, die Schüler, die einen Sifu vom Typ 1 haben, sind die glücklichsten. Sie lernen am schnellsten und geben keine Unsummen für die Ausbildung aus. Der Unterricht wird interessant und mit Leidenschaft aufgebaut. Im Unterricht findet man nicht so viele Schüler, da je mehr Schüler vom Lehrer unterrichtet werden, umso weniger qualitativ ist der Unterricht. Leider findet man solche Sifu (Lehrer) nicht so oft. Dazu bedarf es eine ordentliche Portion an Glück!

Sifu Typ 2

Die Schüler, die einen Sifu vom Typ 2 haben, die bezahlen „dumm und dämmlich“. Gleichzeitig gibt es im Unterrichtsraum fast gar keinen Platz mehr. Der Sifu versucht ständig irgendwas zu verkaufen – mal Privatunterricht, mal Lehrgänge oder Prüfungen, oder Seminare, die zum Monatsbeitrag noch zusätzliches Geld kosten. Nicht jeder kann sich so ein Unterricht auf Dauer leisten. Deswegen gibt es immer wieder neue Schüler, die älteren Schüler gehen. Vom Überblick im Unterricht ist keine Rede!

Sifu Typ 3

Die Schüler vom Typ 3 Sifu sehen wie einen riesigen Blaufleck aus. Die kriegen pausenlos vom Sifu ab. In Wing Chun nenne ich das – „ein Schüler ist zur Holzpuppe geworden„. So ein Schüler ist meistens nur noch frustriert und lernt meistens die Schläge einzustecken oder „die Kunst von Wand zur Wand zu fliegen“. Von so einem Lehrer ist wirklich schwierig etwas „brauchbares“ zu lernen.

Sifu Typ 4

Die Sifus vom Typ 4, die das Unterrichten, wie ein Hobby betreiben, die strengen sich nicht wirklich an, um jemandem etwas beizubringen. In so einer Schule gibt es recht wenig fortgeschrittene Schüler, meist gar nicht. Hier können Schüler lebenslang die Anfänge der Kampfkunst lernen. Die meisten Schüler verlassen so eine Schule, nachdem sie merken, dass, um die ganze Kampfkunst mit dem Tempo zu erkunden, brauchen sie bis zu 200 Jahre alt zu werden. So eine Schule ist ein perfekter Treffpunkt für die „großen Denker“, „Quatschtanten“ und diejenige, die sich einfach langweilen.

Sifu Typ 5

Die Schüler, die einen Lehrer von Typ 5 haben, die sind die Traditionskenner, die sprechen ihre Sifus „richtig“ an und die Hälfte der Zeit verbringen beim „sich verbeugen“. Manche Schüler beginnen ihre Sifus zu vergöttern, viele kriechen einfach in den A…ch – eventuell in der Hoffnung, dass die selbst schon bald die gleiche „göttliche“ Position erreichen werden.

Sifu Typ 6

Die Sifus, die mit Typ 6 beschrieben werden, die wirken eher lustlos im Unterricht und haben oft sehr schlechte Laune. Leider haben solche Menschen „zu spät“ erkannt, dass das Unterrichten einer Kampfkunst nichts für sie ist. Sie wollen ihre Energie nicht dafür verschwenden, um sogar die Fehler bei den Übungen zu korrigieren. Bei solchen Lehrern sind gerne Schüler, die sich selbst was vorgaukeln.

Achtung: Sehr oft findet man Sifus, die gleichzeitig mehrere Typen aufweisen!

Findet euren richtigen Lehrer!

SFJ Wing Chun Berlin