Lernen mit Erfolg


Liebe Schüler, um Eure kostbare Zeit zu ersparen, damit die Lernfortschritte in Wing Chun Kampfkunst viel schneller greifen, habe ich mir Mühe gegeben und die wichtigsten Voraussetzungen (Fähigkeiten) für erfolgreiches Lernen in diesem Artikel zusammengefasst.

Jeder von Euch möchte schnellstmöglich die Wing Chun Konzepte und Techniken erlernen und begreifen, jedoch müssen manche von Euch feststellen, dass es alles nicht so einfach ist und eine gewisse Zeit dauert. Außerdem habt ihr mit Sicherheit bemerkt, dass manche Schüler mit dem Erlernen ziemlich schnell vorankommen, manche brauchen mehr Zeit für gleiche Fortschritte. Das hat verschiedene Gründe. Es wäre falsch das Misslingen nur noch mit den Altersunterschieden und genetischen Voraussetzungen zu erklären. Genauso ist es nicht richtig, die Fehler in den Anderen zu suchen, statt sich mit sich selbst auseinander zu setzen. Was damit gemeint ist, wird nachfolgend ausgiebig erklärt.

Also es geht mir in erster Linie darum, jeden Unterricht möglichst effektiv zu gestalten, damit meine Schüler so viel wie möglich (an Wissen und Können) mitnehmen. Das ist meine Aufgabe, die ohne Eure Mitarbeit nicht möglich ist. Ja, es ist so, denn ein Lehrer ohne seine Schüler ist NICHTS wert. Genauso ist es auch umgekehrt: ein Schüler ohne Lehrer gibt es nicht (und schon haben wir wieder das YIN und YAN Prinzip am Laufen). Nun zu den wichtigsten Voraussetzungen fürs Lernen.

Um erfolgreich lernen zu können, sind 7 folgende Voraussetzungen unabdingbar: Motivation, Geduld, Aufmerksamkeit, Disziplin, Offenheit für etwas Neues, Respekt (Menschlichkeit) und eigene Recherche.

Motivation

Motivation ist der Schlüssel, wenn ein Schüler überhaupt etwas an sich ändern möchte. Um motiviert zum Training zu kommen, hilft es sich selber Ziele zu setzen, die ihr erreichen wollt. Dabei sollte man zwischen kurzfristigen, mittelfristigen und langfristigen Zielen unterscheiden. Ich habe schon von manchen Anfängern die Wünsche gehört: „Ich möchte am besten 2-3 Seminare mitmachen und dann mich verteidigen können“. Bleiben wir aber realistisch. Genauso würde es bedeuten: nur 6 – 8 Stunden in Mathe zu investieren und danach sich mit Mathe auskennen?! Die Ziele müssten dann auch realistisch bleiben: kurzfristige Ziele (was möchte ich in einem Monat können bzw. verstehen), mittelfristig (wie sollen meine Bewegungen in einem oder zwei Jahren aussehen), langfristig (ich möchte die gesamte Wing Chun Lehre innerhalb von 8-10 Jahren meistern). Allein Ziele zu setzen reicht aber nicht! Man sollte sich das Erreichen der Ziele auch bildhaft vorstellen können, sprich: Denkt auch Daran. Und noch was: Sagt Nie: Ich kann nicht oder ich versuche es! In diesen Sätzen ist das Scheitern schon vorprogrammiert!

Geduld

Wer kein Geduld hat, kann nicht lernen! Es dauert alles seine Zeit, egal, ob man eine Kampfkunst lernt, eine/n Lebenspartner/in sucht, oder zuhause kocht. Seid geduldig zu Euch selbst und auch zu den anderen. Wenn bei jemandem etwas nicht gelingt, ärgert sich nicht, bleibt gelassen mit dem Gedankensatz: „Wenn es heute nicht klappt, wird es morgen oder übermorgen“. Wie gesagt, alles braucht seine Zeit! Wenn man sich aber ärgert, geht man nach dem Training mit schlechter Laune raus, die Motivation lässt nach und noch schlechter: unbewusst redet man sich ein, nichts gelernt zu haben oder nicht geeignet dafür zu sein usw. Was ihr Euch einredet, werdet ihr auch erleben.

Aufmerksamkeit

Aufmerksam zuhören, was der Lehrer erklärt, erspart Eure Zeit. Das hat mit Konzentration und Motivation zu tun. Motivation bedeutet an der Stelle – eigener Wille zum Lernen. Möchte man nicht lernen, sollte man seine eigene Zeit sowie die der Lehrer und Mitschüler nicht vergeuden. Aufmerksamkeit bezieht sich aufs Zuhören und Zusehen. Dabei gibt es einen Trick: wenn Du in einer Gruppe etwas erklärt bekommst, stell Dir vor, dass der Lehrer nur für Dich erklärt, wie bei einem Privatunterricht. Dabei wird die Verantwortung nicht auf andere Schüler verlagert und geteilt. Die Anfänger, die nicht wissen, was sie tun sollen (z.B. wie die Begrüßung aussieht oder wie geübt wird), sollen schauen, was die anderen machen. So wirst Du ziemlich schnell die Abläufe verstehen (Stichwort: sich an die Gruppe anpassen). Und wenn Du trotzdem etwas noch nicht verstanden hast, kannst jederzeit entweder deinen Lehrer oder andere fortgeschrittene Schüler fragen. Fragen sind wichtig und herzlich willkommen!

Disziplin

Disziplin besonders in den Kampfkünsten ist ein sehr wichtiges Kriterium. Allein den Schweinehund zu überwinden, um zum Training zu kommen, erfordert Eigendisziplin. Denn es gibt solche Tage und solche. Wir kennen das alle, wenn wir kein Lust auf etwas haben, aber trotzdem sich selbst überreden das zu tun. Meistens sagt man sich selbst danach: „Gut, dass ich es getan habe, das ich mich überredet habe!“ Ohne Disziplin schafft man es nicht zum Training. Dabei sucht unser Verstand immer nach Ausreden, wie: „Ich habe keine Zeit, muss noch was erledigen“, „Ich bin müde“, „Ich gehe nächste Woche zum Training“, oder „Das werde noch bestimmt nachholen können“. All das sind Nichts-Wert-Sätze. Machen wir uns Nichts vor, es hat nur mit Prioritätensetzen zu tun und in seltenen Fällen haben wir tatsächlich was „wichtigeres“ zu tun! Disziplin äußert sich überall: wie spät kommt ein Schüler zum Training; wie befolgt er die Hausordnung; wie hört man zu; übt ein Schüler, oder redet er die Hälfte des Unterrichts… All das beeinflusst maßgeblich den Lernerfolg!

Offenheit für etwas Neues

Wollt ihr was lernen, sollt ihr Bereitschaft dazu mitbringen, euch auf was Neues einzulassen. Macht man das nicht und diskutiert ständig mit dem Lehrer, bzw., wenn ein Schüler stetig alles in Frage stellt, ergibt sich die Frage: Warum lernst du hier, wenn du schon „alles weißt“?! Ein offener Geist bewirkt stattdessen Wunder, dem ist die ganze Welt offen; und ein Kopf voll Überzeugungen und „möchte gern alles Versteher“ fährt auf einer sehr engen Strasse, die irgendwann zu einer Sackgasse führt. Daraus schöpfen sich die Depressionszustände, Nervosität, Hassgefühle und solche Gedanken, wie: „Keiner versteht mich“, oder „Ich habe es nicht verdient“. Dabei gilt der sehr einfache Gedanke, dass wir selbst die Schmiede unseres Glücks, unseres Erfolges und unserer Gesundheit sind. Seid OFFEN, denn die Welt funktioniert sowieso anders, als wir es uns vorstellen!

Respekt und Menschlichkeit

Wer sich selbst und die anderen respektiert, wird auch von den anderen respektiert und wahrgenommen! Fürs Geld kann man weder Respekt noch Wissen und Können kaufen. Diese Fehleinstellung ist aber leider sehr verbreitet. Respekt beruht auf Gegenseitigkeit. Behandelt bitte einander und Euren Lehrer mit Respekt – ihr werdet garantiert viel mehr davon haben. Unbewusste Zeichen werden gesendet, wenn ein Schüler z.B. sein Gesicht verzieht, vielleicht weil, er etwas nicht verstanden hat, oder nicht mit seinem Trainingspartner zufrieden ist (siehe: Geduld). Der andere liest all diese Emotionen unbewusst und behandelt den Gegenüber genauso. Keiner Schuldet Euch was. Man ist nur sich selbst schuldig.

Eigene Recherche

Eigene Recherche tragen zum schnellen Vorankommen enorm bei. Erwartet nicht, dass einer Euch „alles zerkaut und in den Mund legt“. So ein Wissen ist Nichts wert und bleibt nicht lange im Kopf. Wenn man aber selbst recherchiert, so verdient man das Wissen selbst, und das, was man selbst verdient hat, gibt man nicht so schnell ab! Die Aufgabe eines Lehrers ist den Weg dem Schüler zu zeigen. Diesen Weg muss der Schüler aber selber gehen. Schaut Euch irgendwelche Videos an, lest über Wing Chun, recherchiert zu den Begriffen. Ihr könnt nach 1000 guten Tipps bei Eurem Lehrer fragen, sei es Bücher Filme usw. Investiert Eure Zeit in etwas, was ihr lernen wollt. Oder wollt ihr es vielleicht doch nicht?!